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Viernes, 23 Enero 2015

Aktuelle Fragen zu Ehe und Familie

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A. Einleitung

Seit Papst Franziskus ankündigte, es werde im Oktober 2014 eine Außerordentliche Vollversammlung der Bischofssynode über die Familie geben als Vorbereitung zur Ordentlichen Vollversammlung zum selben Thema, die im Jahre 2015 stattfinden sollte, eröffnete sich eine sehr breite Diskussion darüber, welche Themen auf diesen Synoden behandelt werden sollten. Einigen Medien zufolge konnte man meinen, dass es sich vor allem um zwei Themen handele: die Möglichkeit des Kommunionempfangs für wiederverheiratete Geschiedene und die Haltung der Kirche zur Homosexualität und zu gleichgeschlechtlichen Paaren.

Im Folgenden sollen, ausgehend von der Außerordentlichen Vollversammlung der Bischofssynode von Oktober 2014, einige lehrmäßige Prinzipien hinsichtlich der Familie in Erinnerung gerufen werden, die – wie Papst Franziskus bei zahlreichen Gelegenheiten wiederholt hat – nicht in Zweifel gezogen werden sollen (vgl. Ansprache zum Abschluss der Dritten Außerordentlichen  Vollversammlung der Bischofssynode am 18. Oktober 2014).

An erster Stelle scheint es angebracht zu erklären, was eine Bischofssynode ist, damit man richtig einordnen kann, was die außerordentliche Versammlung der Bischöfe gesagt hat, und was die Medien darüber gesagt haben. An zweiter Stelle soll auf die Notwendigkeit einer sachgerechten anthropologischen Sicht von Ehe und Familie hingewiesen werden.

Die Außerordentliche Bischofssynode vom Oktober 2014 über die Familie

Der Kanon 342 des Kirchenrechts definiert die Bischofssynode folgendermaßen: „Die Bischofssynode ist eine Versammlung von Bischöfen, die, aus den verschiedenen Gegenden der Erde ausgewählt, zu bestimmten Zeiten zusammenkommen, um die enge Verbundenheit zwischen Papst und Bischöfen zu fördern und um den Papst bei Bewahrung und Wachstum von Glaube und Sitte, bei Wahrung und Festigung der kirchlichen Disziplin mit ihrem Rat hilfreich beizustehen und um Fragen bezüglich des Wirkens der Kirche in der Welt zu beraten“.

Es handelt sich also um eine Bekundung der Communio zwischen dem Papst und den Bischöfen. Wie der darauf folgende Kanon eindeutig feststellt, hat die Bischofssynode beratenden, nicht beschließenden Charakter. Deswegen enden die Bischofssynoden nicht mit Entscheidungen, Dekreten oder lehramtlichen Dokumenten, sondern mit Vorschlägen, die dem Papst zur der freien Überlegung übergeben werden. Normalerweise verfasst der Papst im Licht dieser Vorschläge und in Ausübung seiner Primatialgewalt über die ganze Kirche ein Apostolisches Schreiben zu den auf der Synode behandelten Themen.

Im Fall der Bischofssynoden zu Fragen der Familie entschied der Papst, zunächst eine Außerordentliche Versammlung einzuberufen, die das Terrain für die Ordentliche Bischofssynode im Oktober 2015 vorbereiten sollte.

Wir legen nun kurz den Ablauf dieser Außerordentlichen Synode dar, damit man den rechten Ort eines jeden Dokuments vor und während der Synode besser versteht[2].

Zunächst bereitete das Sekretariat der Bischofssynode einen Fragebogen vor, um die Situation in den verschiedenen Gegenden der Welt kennenzulernen und so die Probleme zu bestimmen, die besprochen werden sollten. Im Licht der Antworten auf diesen Fragebogen bereitete dasselbe Sekretariat ein Instrumentum laboris vor, ein Arbeitspapier, worüber die Synodenväter diskutieren sollten.

In seiner Ansprache zur Eröffnung der Bischofssynode lud der Papst die Synodenväter ein, mit „Parrhesia“ (Freimut) zu sprechen, frei und ohne Furcht ihre Meinungen auszutauschen. Im Unterschied zu früheren Synoden wurden nicht die Beiträge der einzelnen Synodenväter veröffentlicht, vielmehr wurde den Medien täglich eine Zusammenfassung präsentiert.

Nach Beendigung der Generalversammlungen während der ersten Woche bereitete das Sekretariat mithilfe von Sachverständigen (periti) eine Relatio post disceptationem vor (Zwischenbericht), über die nicht abgestimmt wurde. Dieser Zwischenbericht richtete seine Aufmerksamkeit vor allem auf die Herausforderungen und auf die problematischen Fragen, nicht so sehr auf die positiven Aspekte. Dies wurde von einem Großteil der Synodenväter kritisiert, da sie der Meinung waren, er gäbe nicht ausgewogen wieder, was in der ersten Synodenwoche gesagt worden war.

Diese Relatio war die Grundlage für die Diskussion in den kleineren Sprachgruppen. Als Frucht dieser Diskussionen wiederum wurde ein neues Dokument erarbeitet, die Relatio Synodi (Schlussbericht), über die abgestimmt und die so von den Synodenvätern approbiert wurde.

 Auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes wurde sowohl die Relatio Synodi (Schlussbericht) als auch das Abstimmungsergebnis Punkt für Punkt veröffentlich. Nur drei Punkte erhielten nicht die nötige Zweidrittelmehrheit: Punkt 52, in dem die unterschiedlichen Haltungen zur Frage des Kommunionempfangs wiederverheirateter Geschiedener dargestellt werden (104 ja, 74 nein); Punkt 53 bezüglich der geistigen Kommunion, die wiederverheiratete Geschiedene verrichten könnten (112 ja, 64 nein); Punkt 55, der Bezug nimmt auf Familien, in denen jemand homosexuelle Neigungen hat (118 ja, 62 nein).

Was diesen letzten Punkt angeht, fällt der Unterschied zur Relatio post disceptationem (Zwischenbericht) ins Auge, die diesem Thema mehrere Punkte widmete, während die Relatio Synodi (Schlussbericht) in dem erwähnten Punkt 55 auf das hinweist, was bereits der Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 2357-2359) und ein Dokument der Glaubenskongregation über die Nicht-Diskriminierung homosexueller Personen sagt und darüber, die man ihnen helfen soll. [3]

Einige Sätze von Papst Franziskus aus seiner Ansprache zum Abschluss der Dritten Außerordentlichen Vollversammlung der Bischofsynode (18. Oktober 2014) können als knappe Zusammenfassung dienen. „Mit Freude und Dankbarkeit habe ich ... Redebeiträge und Wortmeldungen voller Glauben gesehen und gehört, voller Einsatz für Pastoral und Lehre, voll Weisheit, Offenheit, Mut und Parrhesia ..., ohne je die grundlegenden Wahrheiten des Ehesakraments in Frage zu stellen: Unauflöslichkeit, Einheit, Treue und Zeugung von Nachkommenschaft, das heißt die Offenheit für das Leben“. Außerdem wiederholte der Papst einen Gedanken, auf den er bereits zur Eröffnung hingewiesen hatte, dass nämlich die Aufgabe des Papstes darin besteht, die Einheit der Kirche zu gewährleisten; dass „die Synode cum Petro et sub Petro stattfindet und die Anwesenheit des Papstes für alle eine Garantie ist“.

Diese Außerordentliche Bischofssynode schloss nicht (wie sonst üblich) mit Vorschlägen an den Papst ab, sondern mit einem Abschlussbericht (Relatio Synodi), in dem die Themen enthalten sind, die auf dieser Synode behandelt wurden. Dieser Bericht wird als Grundlage für die weitere Reflexion der Kirche im Laufe des Jahres dienen und als Vorbereitung auf die Ordentliche Bischofssynode im Oktober 2015.

Es sei klargestellt: Weder der Zwischenbericht nach der ersten Woche noch der Schlussbericht, über den die Synodenväter angestimmt haben, hat lehramtlichen Charakter. Es handelt sich um Überlegungen zum Thema Ehe und Familie, die Gegenstand der Diskussion auf der kommenden Ordentlichen Bischofssynode im Oktober 2015 sein werden. Diese wird dann mit Vorschlägen abschließen, die dem Papst übergeben werden, zu den pastoralen Herausforderungen von Ehe und Familie angesichts der Herausforderungen, die sich der Kirche in den verschiedenen Kulturen stellen. Aufgabe des Papstes wird es dann sein, normalerweise mittels eines Apostolischen Schreibens auf die verschiedenen Fragen, Probleme und Herausforderungen, welche die Synodeväter vortragen werden, Antworten zu finden.

Alle Christen sollten also für die Früchte der kommenden Bischofssynode beten und besonders Papst Franziskus empfehlen, der unablässig um Gebete für die treue Erfüllung seines petrinischen Amtes bittet. Sie sollten den Heiligen Geist anrufen, damit er die Synodenväter erleuchte, sowie alle Hirten, ja alle Gläubigen. Jedermann, ob Hirt, Familienvater, Dozent, Richter, Mitglied einer kirchlichen Struktur; jeder kann in seinem ihm eigenen Bereich dazu beitragen, dass die Schönheit des „Evangeliums der Familie“ wiederentdeckt wird. Und jeder sollte im Licht der Wahrheit über die Ehe den Familien entgegenkommen, um sie in ihrer Berufung zu stärken und um auf diese Weise irgendwie der gute Hirt für sie zu sein, der seine Schafe aufsucht, ob gesund oder krank, mit einer Haltung, die gleichzeitig von tiefer Liebe und Barmherzigkeit geprägt ist, aber auch von einem tiefen Respekt von der Wahrheit der Dinge; denn nur in der Wahrheit findet sich das Heil, das Christus uns erworben hat.

B. Identität von Familie und Ehe: lehramtliche Prinzipien

In dem Apostolischen Schreiben Familiaris Consortio (22. November 1981)[4], das aus der Bischofssynode von 1980 über Ehe und Familie hervorging, ruft der heilige Papst Johannes Paul II. der Familie zu: „Familie, werde, was du bist!“ (Nr. 17). Die Familie hat eine Identität, die ihr eigen ist und die über die konkreten Kulturen hinausgeht. Da es eine lebendige Wirklichkeit ist, ist sie in ständiger Entwicklung begriffen, wie es sich in Gesellschaft, Kultur und Rechtsordnung widerspiegelt.

Um die Veränderungen, welche die Familie betreffen, positiv anzugehen, empfiehlt es sich, über ihr Wesen nachzudenken, sowie jene Initiativen zu kennen, die in jedem historischen Moment und in jeder kulturellen Situation die Verwirklichung ihrer Identität und Sendung fördern. Papst Johannes Paul II. bemerkte dazu, dass jede Kultur im Licht dessen beurteilt werden kann und muss, was der Würde der menschlichen Natur entspricht (vgl. Veritatis Splendor, Nr. 53).[5]

1. Die Familie ist ein für den Menschen notweniger Raum des Zusammenlebens

Die Familie antwortet im vollen Maß auf die natürliche Notwenigkeit des Menschen in Beziehung zu treten, konkret im Kontext einer vollständig gegenseitigen Beziehung von Mann und Frau, sowie der Beziehung zwischen den verschiedenen Generationen (Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel usw.).

Die Familie ist außerdem eine Gemeinschaft von Liebe und Solidarität (vgl. Päpstlicher Rat für die Familie, Charta der Familienrechte, 22. Oktober 1983, Präambel & E[6]), die unmittelbar und natürlich diese menschliche Neigung entfaltet, indem sie gelebt wird. In der Familie findet sich der Mensch durch die Verflechtung von Zeugung und Erziehung der Nachkommenschaft mit der subjektiven Notwendigkeit, die eigene Identität zu erlangen, in der zweifachen Dimension desjenigen vor, der sich selber gibt und den anderen empfängt.

Andererseits betrachtet die Kirche die Familie „gleichsam als Hauskirche“ (LG 11; vgl. Familiaris Corsortio 21; KKK 1657).

2. Personale eheliche Verbindung von Mann und Frau

Die Ehe ist ein Bund zwischen einer Frau und einem Mann, wodurch sie sich gegenseitig als solche geben und empfangen für das ganze Leben und ein gemeinsames Projekt konstituieren, das sich auch direkt auf das soziale Umfeld auswirkt. Die Berufung zur Ehe ist der Natur des Mannes und der Frau eingeschrieben. Es handelt sich also nicht um eine rein menschliche Institution, obwohl sie im Laufe der Jahrhunderte je nach den verschiedenen Kulturen, Gesellschaftsstrukturen und Geisteshaltungen zahlreiche Veränderungen  durchgemacht hat (vgl. KKK 1603).

Das Eheband, welches der wesentliche Kern der Ehe als eine durch das Ja-Wort der Ehepartner gegründete Wirklichkeit ist, verbindet die persönliche Freiheit eines jeden Partners und die Wahrheit der familiären Bindungen. „In der Ehe übernehmen die Partner mit dem Ehebund öffentlich alle Pflichten, die dem Eheband entspringen. Dieses Band stellt ein Gut und eine Vervollkommnung für die Ehepartner dar; für die Kinder und für ihr affektives und formatives Wachstum; für die übrigen Mitglieder dieser Familie, die auf dem Eheband und den Blutsbanden gegründet ist; und für die ganze Gesellschaft, deren stärkstes Geflecht sich auf den Werten gründet, die aus den unterschiedlichen familiären Beziehungen entstehen“[7].

Auch die Ausübung der Sexualität erlangt im ehelichen Bund ihre wahre Bedeutung; denn sie hat Anteil an der Fruchtbarkeit einer voll und ganz persönlichen, verantwortlichen Liebe, welche die ganze Person in ihrer Ausprägung als Mann oder Frau betrifft, die von beiden Partner jeweils geschenkt und angenommen wird.

Die Fruchtbarkeit ist ein weiteres untrennbares Wesenselement des Aktes gegenseitiger, persönlicher Hingabe in der Ehe. Die eheliche Beziehung unterscheidet sich wesensmäßig vom Reproduktionstrieb im Tierreich sowohl in ihrer Identität als auch aufgrund ihrer sozialen Bedeutung. Was ihre Identität angeht, so kommen zum rein Biologischen das Eheband hinzu sowie die psychologischen, geistigen und ethischen Erfordernisse.

Hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen Bedeutung sei hingewiesen auf die Weitergabe des Lebens, den Generationenwechsel, sowie mittels der Erziehung die Eingliederung neuer Menschen in den gesellschaftlichen Rahmen, wobei die Familie der erste und wichtigste Bereich der Sozialisierung einer Person darstellt.

Der Schlussbericht der Bischofssynode macht deutlich, dass eine der gegenwärtigen Herausforderungen darin besteht, den Christgläubigen zu helfen, die Lehre von der Untrennbarkeit des einigenden und des zeugenden Charakters der ehelichen Akte besser zu verstehen; ihnen dabei zu helfen, eine materialistische und utilitaristische Sichtweise der Person zu überwinden, die dazu führt, sich der Fruchtbarkeit der Ehe zu verschließen.

Der Schlussbericht ruft deshalb die Hirten und die Eheleute auf, die Schönheit der ehelichen Fruchtbarkeit neu zu entdecken und weiterzugeben; der Bericht weist ausdrücklich auf die Lehre der Enz. Humanae Vitae des Seligen Papstes Paul VI. hin. Auffälligerweise wurden die beiden Punkte, die dieses Thema behandeln (Nr. 57 und 58) fast einstimmig von allen Synodenvätern verabschiedet (169 ja/5 nein bzw. 167 ja/9 nein).

3. Einheit und Unauflöslichkeit

Treue und Unauflöslichkeit sind objektive Anforderungen der Ehe, in der Hingabe und Freiheit sich harmonisch verbinden. Es handelt sich dabei nicht um Anforderungen, die gewissermaßen von außen aus religiösen oder sozialen Gründen an die Ehe herangetragen werden, sie sind vielmehr in dem Ehebund enthalten, den die Ehepartner im Gebrauch ihrer Freiheit eingehen.

Die Würde des Menschen hat ein so hohes Niveau, dass die Ehe der einzige Weg zu einer Beziehung ist, welche die Hingabe der eigenen Sexualität mit sich bringt, die ja untrennbar zur Person dazugehört.

Daraus wird die Verarmung der menschlichen Beziehung deutlich, die in einer sog. freien Verbindung gegeben ist, einer körperlichen und affektiven Bindung, die von Treue und Unauflöslichkeit losgelöst ist.

Ebenfalls unvollständig, weil zweideutig ist die Definition der Ehe als Lebens- und Liebesgemeinschaft. Manchmal wird sie auf Situationen gemeinsamen, affektiven Lebens angewandt, die in Wirklichkeit keine eheliche Verbindung sind, d.h. eine Verbindung, in welcher die Partner die je eigene Männlichkeit bzw. Weiblichkeit einander gerechterweise schulden; eine Verbindung, die ihrem Wesen nach treu, unauflöslich und für das Leben offen ist.

Andere Male wird der Sinn der Ehe verfälscht, wenn man darunter eine Art Recht auf freie Ausübung der Sexualität versteht.

Bestimmte Situationen, die auch rekonstruierte Familien genannt werden, besitzen eine gewisse Ähnlichkeit mit einer ehelichen Gemeinschaft. Es handelt sich um Familien, die sich nach der Auflösung einer früheren familiären Verbindung neu gebildet haben, in der Regel nach der Scheidung der Ehepartner. Diese Vereinigungen von einem Mann und einer Frau im Haus beruhen häufig auf einer Zivilehe. Sie unterscheiden sich aber von einer auf Unauflöslichkeit begründeten Familie. Ein neuer Erwachsener, ohne biologische Beziehung zu den Kindern der ersten Ehe, bringt manchmal seine eigenen Kinder mit. Dadurch entstehen neue Rollenverteilungen wie die Beziehung zum Stiefvater bzw. zur Stiefmutter und gleichzeitig mit dem biologischen Vater bzw. Mutter; die Beziehung von Halbgeschwistern; die Beziehung mit dem früheren Ehepartner, vor allem hinsichtlich der Erziehung der Kinder.

Wenn einer der Eltern das Sorgerecht für die Kinder hat, dann leben sie mit ihm zusammen und evtl. mit dem neuen Partner, und besuchen das andere Elternteil, das u.U. auch wieder verheiratet ist oder einen neuen Partner hat.

Auch die finanziellen Mittel teilen sich auf diese Weise kompetitiv unter den Kindern der verschiedenen Partner auf.

Diese Situationen bringen häufig im Bewusstsein der Kinder die eheliche Einrichtung in Misskredit. Die negative Erfahrung der Scheidung ihrer Eltern weckt Misstrauen bzgl. der Ehe.

Faktische Lebensgemeinschaften, ohne formelle Zurückweisung der Ehe. Das Nichtvorhandensein eines institutionellen Bandes ist hier nicht Folge einer klaren und eindeutigen Entscheidung, sondern oft Ergebnis mangelnder Bildung, Armut, sozialer Randgebiete, so z.B. in der Dritten Welt. Wichtige Faktoren sind auch Unrechtssituationen und strukturelle Sünden. Eine kulturelle Vorherrschaft von Maschilismus und Rassismus kommt erschwerend hinzu.

4. Die Sakramentalität der christlichen Ehe und der Glaube der Ehepartner

Das kirchliche Lehramt, die Theologie und das Kirchenrecht stellen seit Alters her fest, dass die gültige Ehe getaufter Partner immer auch ein Sakrament ist: „Deshalb kann es zwischen Getauften keinen gültigen Ehevertrag geben, ohne dass er zugleich Sakrament ist“ (CIC 1055 § v2).

Die Offenbarung lehrt uns die Sakramentalität der Ehe zwischen zwei Getauften. Gott hat gewollt, dass die im Schöpfungsplan als Zeichen der Liebe Gottes zu seinem Volk vorgesehene Ehe in der Fülle der Zeit zu einem ständigen Zeichen der Vereinigung zwischen Christus und seiner Kirche und deswegen wahres Sakrament des Neuen Bundes werde.

Deswegen tritt die Sakramentalität nicht bloß äußerlich zur Natur der Ehe hinzu. Die vom Schöpfer gewollte Ehe wird durch die Erlösungstat Christi zur Würde eines Sakraments erhoben, ohne dass dadurch die natürliche Wirklichkeit der Ehe verfälscht würde (vgl. KKK 1617). Die der gegenseitigen Hingabe der Brautleute eigene Treue wird durch die Liebe zweier Getaufter noch verstärkt (vgl. KKK 1647, 1648, 1650f). Deswegen ist der persönliche Glaube keine unabdingbare Voraussetzung, damit aus der Ehe zweier Getaufter ein Sakrament wird. Es genügt, dass beide eine wahre Ehe eingehen wollen, d.h. eine Vereinigung, die von sich aus treu, unauflöslich und für die Fruchtbarkeit offen ist. Die deswegen auch offen ist für das Wohl der beiden Ehepartner und für die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft (vgl. CIC 1055 § 1): „Der Ehebund, durch den Mann und Frau unter sich die Gemeinschaft des ganzen Lebens begründen, welche durch ihre natürliche Eigenart auf das Wohl der Ehegatten und auf die Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet ist,  wurde zwischen Getauften von Christus dem Herrn zur Würde eines Sakramentes erhoben“.

„Das Sakrament der Ehe hat vor den anderen diese Besonderheit: Es umfasst als Sakrament eine Wirklichkeit, die bereits in der Schöpfungsordnung vorliegt; es ist derselbe Ehebund, den der Schöpfer "im Anfang" begründet hat. Wenn sich ein Mann und eine Frau daher entschließen, eine Ehe im Sinne dieses Schöpfungsplanes miteinander einzugehen, das heißt, sich durch ihr unwiderrufliches Eheversprechen für ihr ganzes Leben zu einer lebenslangen Liebe und einer unbedingten Treue zu verpflichten, dann ist in diesem Entschluss tatsächlich, wenn auch nicht ganz bewusst, eine Haltung tiefen Gehorsams vor dem Willen Gottes enthalten, die es ohne seine Gnade nicht geben könnte“ (Familiaris Consortio, Nr. 68). Die Sakramentalität der Ehe gründet also nicht so sehr auf dem Willen der Partner als vielmehr im Heilswillen Christi.

In Nr. 48 des Abschlussberichtes (Relatio Synodi) geht es um verschiedene Vorschläge, um das Verfahren zur Anerkennung der Nichtigkeit zu beschleunigen: „Anderen Vorschlägen zufolge sollte die Möglichkeit in Betracht gezogen werden, mit Blick auf die Gültigkeit des Ehesakraments der Rolle des Glaubens der Brautleute Gewicht zu verleihen, ohne dadurch infrage zu stellen, dass unter Getauften alle gültigen Ehen Sakrament sind“ (143 ja/ 35 nein). Eine praktische Schwierigkeit dürfte darin bestehen, wie man den nötigen Grad an Glauben bestimmen könnte. Johannes Paul II. hat in Familiaris Consortio festgestellt, dass es genügt, wenn die Brautleute „wenigstens einschlussweise dem zustimmen, was die Kirche meint, wenn sie eine Eheschließung vornimmt“ (Familiaris Consortio, Nr. 68).

C. Aktuelle Bedrohungen und Herausforderungen für die Familie

In vielen kulturellen Bereichen vor allem der westlichen Welt wird die Familie heutzutage „belagert“, wie Papst Franziskus sich mal ausgedrückt hat. Die kulturellen, sozialen und juridischen Modelle von Familie, die durchgesetzt werden sollen, stehen im offenen Gegensatz zur „ehelichen Familie“: einem Beziehungsgeflecht, dessen Ausgangspunkt die eheliche Beziehung ist, die erste familiäre Beziehung. In anderen Kulturen besteht die Bedrohung für die Familie darin, dass die radikale Gleichwertigkeit von Mann und Frau geleugnet wird, was zur Polygamie führt.

1. Die Ehescheidung

Die Ehescheidung, die der KKK als „soziale Plage“ bezeichnet („für die Gesellschaft, für die sie aufgrund ihrer ansteckenden Wirkung zu einer tiefen Wunde wird“), hielt ihren Einzug in die zivilen Rechtsordnungen als Heilmittel für Krisensituationen, hat sich aber heutzutage praktisch zu einen Rechtsanspruch der Person entwickelt. Hauptsächlich aufgrund eines falschen Verständnisses von Freiheit. Die Freiheit wird nämlich nicht mehr als Fähigkeit verstanden wird, das Gute zu wählen, um durch diese Selbstbestimmung die eigene Vollkommenheit zu erlangen, zu der jeder Mensch berufen ist, sondern als totale Entscheidungsmöglichkeit; Freiheit als Selbstzweck.

Von dieser Haltung her versteht man nicht, dass jemand in einem bestimmten Moment, dem des Ja-Wortes, „für immer auf seine Freiheit verzichten kann“. In diesem Kontext ist es notwendig, den anthropologischen Pessimismus zu überwinden, von dem unsere heutige Gesellschaft beherrscht wird, der eine Hingabe seiner selbst für das ganze Leben für unmöglich hält.

Freiheit ist kein Selbstzweck, sie ist auf Hingabe ausgerichtet, ist unabdingbare Voraussetzung der Liebe. Sie ist eine Freiheit für etwas, auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet, nicht absolute Unbestimmtheit, nicht bloße Fähigkeit, immer und in jedem Moment wählen zu können. Wer seine Freiheit nicht für etwas einsetzt, ist am Ende Sklave dieses Freiheitsbegriffs.

In diesem Sinn ist eine erneute Inkulturation der „Wahrheit des Anfangs“ vonnöten, welche die Unauflöslichkeit der Ehe nicht vor allem als ein dem Menschen auferlegtes Joch, sondern als ein Geschenk für die Ehegatten versteht (vgl. Relatio Synodi, Nr. 14).

2. Verhütungsmentalität

Die Ehe ist von Natur aus offen für die Fruchtbarkeit, für das Leben. Auch wenn von jeher Verhütung praktiziert wird, hat Erfindung der Verhütungspille in den 50er Jahren entscheidend zu einer Verdunkelung der Bedeutung menschlicher Sexualität beigetragen, dadurch dass die Trennung der beiden Aspekte des Geschlechtsaktes, einigender und zeugender Aspekt (vgl. Enz. Humanae vitae, Nr. 12), jederzeit leicht herbeigeführt werden kann.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der die Sexualität banalisiert worden ist und die Fruchtbarkeit der Ehe, und damit die kinderreichen Familien, argwöhnisch betrachtet werden. Das Kind wird nicht mehr als Geschenk Gottes angesehen, sondern als individuellen Anspruch, den man mit allen Mittel einfordern kann, wie es bei der künstlichen Befruchtung geschieht.

Die heutige Gesellschaft leidet an einer Schizophrenie: einerseits werden alle zur Verfügung stehenden Mittel eingesetzt, um die Geburten zu kontrollieren, z.T. mit ungerechten politischen Mitteln, vor allem was arme Länder angeht: Sterilisierung, Verteilung von Verhütungsmitteln, Kampagnen gegen kinderreiche Familien. Andererseits, vor allem bei begüterten Menschen, Kinder um jeden Preis, mit einer ganzen Reihe von Mitteln zur künstlichen Befruchtung, die nicht mit der Würde der menschlichen Person, der Ehe und vor allem des Kindes vereinbar sind, das ein Recht darauf hat, im Mutterschoß empfangen zu werden, Vater und Mutter zu haben, die miteinander verheiratet sind.

Außerdem setzen fast alle Techniken zur künstlichen Befruchtung die Selektion von Embryonen voraus, deren Einfrieren und deren Tötung durch Abtreibung.

Angesichts dieser Situationen sollen christliche Familien mit ihrem Beispiel die Schönheit der Vater- und Mutterschaft in der Ehe aufzeigen, den Geschenkcharakter, den jedes Kind bedeutet, das Vertrauen in die göttliche Vorsehung, die Großzügigkeit, zugunsten der Kinder auf oberflächliche Bequemlichkeiten zu verzichten (vgl. Relatio Synodi, Nr. 57 und 58).

3. Die sog. Homo-Ehe

Aus dem bisher Gesagten ergibt sich, dass eine Ehe nur zwischen einem Mann und einer Frau bestehen kann. Da die Ehe eine Institution ist, die in der Natur des Mannes und der Frau begründet ist, kann keine menschliche Autorität diese Wirklichkeit umdefinieren und eine Beziehung zwischen zwei Männern oder zwei Frauen als Ehe bezeichnen. Mögen auch einige Rechtsordnungen eine solche Vereinigung Ehe nennen, es ist und bleibt ein großer Irrtum, ihnen eine solche Kategorie zuzuschreiben.

Die Ehe gründet sich sowohl auf der Verschiedenheit von Mann und Frau als auch auf der daraus stammenden Komplementarität, die zur Fruchtbarkeit führt. Diese Elemente fehlen in den gleichgeschlechtlichen Vereinigungen. Die Unmöglichkeit, sie als Ehe anzuerkennen, bedeutet keinerlei Ungerechtigkeit oder Diskriminierung. Ungerecht wäre es, Gleiches verschieden zu behandeln. Der gesunde Menschenverstand sagt einem, dass diese Vereinigungen keine Ehe sind. Es fehlen die anthropologischen Voraussetzungen; es fehlen die Güter einer Ehe; diese Vereinigungen sind von Natur aus unfruchtbar.

Andererseits ist eine solche Folgerung vereinbar mit einem Verständnis für Menschen mit homosexuellen Neigungen. Die Kirche ermöglicht ihnen wie alle anderen Christgläubigen die nötigen Mittel, in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes zu leben.

Vielen Rechtsordnungen bezüglich der Ehe scheint nur um Gefühle und Affekte zu gehen, unabhängig davon, ob es der Würde und der Natur des Menschen oder der Gesellschaft entspricht. Die Haltung eines Christen darf in dieser Situation nicht pessimistisch sein, auch wenn es möglicherweise mehr als eine Generation braucht, um in der Gesellschaft die wahre Schönheit der Ehe wiederzugewinnen.

4. Eine kurze Reflexion über wiederverheiratete Geschiedene

Dieses Thema erscheint häufig in den Medien, die den Eindruck zu erwecken suchten, es sei der Hauptpunkt der Aufmerksamkeit der Außerordentlichen Bischofssynode gewesen. Das Lehramt hat in diesem Punkt immer eine klare Haltung eingenommen. Es genügt auf zwei eindeutige Äußerungen in den letzten Jahren hinzuweisen, was die Praxis der Kirche und die Pastoral angeht: Papst Johannes Paul II., Familiaris Consortio, Nr. 84 und Benedikt XVI., Sacramentum caritatis, Nr. 29[8].

Hier finden sich auf der einen Seite konkrete, praktische Hinweise dafür zu sorgen, dass Menschen in einer solchen Situation sich nicht ausgeschlossen fühlen sollten, dass sie mit Liebe und Barmherzigkeit behandelt werden sollen, wie Papst Franziskus immer wieder fordert.

Andererseits werden in beiden Dokumenten die theologischen, aus der Offenbarung sich ergebende Gründe erklärt, weswegen diese Personen, um zur Eucharistie zugelassen werden zu können, ein Leben führen müssen, das der sakramentalen Bedeutung der Ehe nicht widerspricht, die ja die unauflösliche Einheit Christi mit seiner Kirche bezeichnet. Es handelt sich nicht um eine kirchliche Strafe, sondern um eine Folge der Situation, in der sie sich befinden, welche in einem objektiven Widerspruch zur Eucharistie steht. [9]

In  der pastoralen Aufmerksamkeit diesen Personen gegenüber muss man immer eine tiefe, authentische Nächstenliebe mit der Liebe zu Wahrheit verbinden. Nur in der Wahrheit findet sich das Wohl der Menschen, das Seelenheil, welches das oberste Gesetz der Kirche ist. Wahre Barmherzigkeit besteht nicht darin, die Sünden oder ungeordneten Situationen zu verkennen, sondern sie zu heilen und den Gläubigen die Mittel anzubieten, damit sie nach der Wahrheit leben können.



[1] Die Übersetzung ins Deutsche besorgte Klaus Limburg.

[2] Vgl. Die pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung. Texte zur Bischofssynode 2014 und Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz, 24. November 1014 (Arbeitshilfen 273).

[3] Grundlegend: Persona Humana, Erklärung der Kongregation für die Glaubenslehre zu einigen Fragen der Sexualethik, 1975, Nr. 8 (Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 1). Ergänzend: Homosexualitatis problema, Schreiben über die Seelsorge für homosexuelle Personen, 1. Oktober 1986 (Verlautbarungen Nr. 72); Einige Anmerkungen bezüglich der Gesetzesvorschläge zur Nicht-Diskriminierung homosexueller Personen, 23. Juli 1992.

[4] Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, Nr. 33

[5] Es ist nicht zu leugnen, dass sich der Mensch immer (sic!) und in einer bestimmten Kultur befindet, aber ebenso wenig lässt sich bestreiten, dass sich der Mensch in dieser jeweiligen Kultur auch nicht erschöpft. Im übrigen beweist die Kulturentwicklung selbst, dass es im Menschen etwas gibt, das alle Kulturen transzendiert. Dieses »Etwas« ist eben die Natur des Menschen: Sie gerade ist das Maß der Kultur und die Voraussetzung dafür, dass der Mensch nicht zum Gefangenen irgendeiner seiner Kulturen wird, sondern seine Würde als Person dadurch behauptet, dass er in Übereinstimmung mit der tiefen Wahrheit seines Wesens lebt. Wer die bleibenden konstitutiven Strukturelemente des Menschen, die auch mit seiner leiblichen Dimension zusammenhängen, in Frage stellte, befände sich nicht nur im Konflikt mit der allgemeinen Erfahrung, sondern würde auch die Bezugnahme auf den »Anfang« unverständlich werden lassen, die Jesus eben dort machte, wo die soziale und kulturelle Zeitsituation den ursprünglichen Sinn und die Rolle einiger sittlicher Normen entstellt hatte (vgl. Mt 19, 1-9). In diesem Sinne »bekennt die Kirche, dass allen Wandlungen vieles Unwandelbare zugrunde liegt, was seinen letzten Grund in Christus hat, der derselbe ist gestern, heute und in Ewigkeit«. Er ist der »Anfang«, der, nachdem er die menschliche Natur angenommen hat, sie in ihren Grundelementen und in ihrem Dynamismus der Gottes- und der Nächstenliebe endgültig erleuchtet. (Johannes Paul II., Enz. Veritatis Splendor, 6. August 1993, Nr. 53, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 111).

[6] E. die Familie, die viel mehr ist als eine bloße juridische, soziale und ökonomische Einheit, eine Gemeinschaft der Liebe und der Solidarität bildet, die in einzigartiger Weise geeignet ist, kulturelle, ethische, soziale, geistige und religiöse Werte zu lehren und zu übermitteln, wie sie wesentlich sind für die Entwicklung und das Wohlergehen ihrer eigenen Mitglieder und der ganzen Gesellschaft;

[7] H. Franceschi, Uniones de hecho, in: Päpstlicher Familienrat, Léxicon. Términos ambiguos y discutidos sobre familia, vida y cuestiones éticas, Ed. Palabra, Madrid 2004, S. 1114)

[8] Nachsynodales Apostolisches Schreiben über die Eucharistie – Quelle und Höhepunkt von Leben und Sendung der Kirche, 22. Februar 2007, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls, 177.

[9] Dazu zwei neuere Beiträge: Héctor Franceschi, Divorziati risposati e nullità matrimoniali, in: Ius Ecclesiae 25 (2013), 617-629; M.A. Ortiz, La pastorale dei fideli divorziati risposati civilmente e la loro chiamata alla santità, in: C.J. Errázuriz – M.A. Ortiz (Hg), Misericordia e diritto nel matrimonio, Rom 2014, S. 99-129.

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